Versicherung kündigen: Fristen, Sonderkündigung und Muster
Die meisten Versicherungen können Sie zum Ende des Versicherungsjahres kündigen. Die Kündigung muss dem Versicherer bis zum Ablauf der Kündigungsfrist zugehen — üblich sind drei Monate, bei der Kfz-Versicherung ein Monat. Erhöht der Versicherer den Beitrag oder hatten Sie einen Schadensfall, können Sie meist auch vorzeitig kündigen.
Versicherungsverträge laufen in der Regel über ein Jahr und verlängern sich danach stillschweigend um ein weiteres Jahr. Wer kündigen will, muss deshalb zwei Dinge wissen: wann das Versicherungsjahr endet und wie viel Vorlauf der Vertrag verlangt. Beides steht im Versicherungsschein oder in der letzten Beitragsrechnung.
Wann Sie eine Versicherung kündigen können
| Anlass | Frist | Grundlage |
|---|---|---|
| Ordentliche Kündigung zum Ende des Versicherungsjahres | Laut Vertrag, höchstens drei Monate vor Ablauf | § 11 VVG |
| Vertrag mit mehr als drei Jahren Laufzeit | Zum Ende des dritten Jahres oder jedes folgenden Jahres, drei Monate vorher | § 11 Abs. 4 VVG |
| Beitragserhöhung ohne Leistungsverbesserung | Innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung | § 40 VVG |
| Nach einem Schadensfall (Sach- und Haftpflichtversicherung) | Innerhalb eines Monats nach Abschluss der Regulierung | §§ 92, 111 VVG |
| Lebens- oder Rentenversicherung | Jederzeit zum Ende der laufenden Versicherungsperiode | § 168 VVG |
Die Fristen gelten für den Zugang beim Versicherer, nicht für das Absendedatum.
Sonderkündigung nach Beitragserhöhung
Erhöht der Versicherer den Beitrag, ohne dass sich der Versicherungsschutz ändert, dürfen Sie innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung kündigen. Die Kündigung wirkt frühestens zu dem Zeitpunkt, zu dem die Erhöhung in Kraft treten soll. Der Versicherer muss Sie in der Mitteilung auf dieses Recht hinweisen.
Die Mitteilung kommt häufig zusammen mit der Jahresrechnung und ist leicht zu übersehen. Bewahren Sie den Umschlag oder das Datum des Eingangs auf — von diesem Tag an läuft die Monatsfrist.
Sonderkündigung nach einem Schadensfall
In der Sachversicherung — etwa Hausrat oder Wohngebäude — und in der Haftpflichtversicherung können beide Seiten nach einem Versicherungsfall kündigen. Die Frist beträgt einen Monat und beginnt mit dem Abschluss der Verhandlungen über die Entschädigung, also in der Regel mit der Zahlung oder der endgültigen Ablehnung.
Dieses Recht ist nützlich, wenn die Regulierung schleppend oder enttäuschend verlief. Es besteht aber auch für den Versicherer — wer mehrere Schäden in kurzer Zeit meldet, sollte damit rechnen.
Besonderheiten bei einzelnen Versicherungen
Private Krankenversicherung
Wer krankenversicherungspflichtig ist, kann die private Krankheitskostenversicherung nur wirksam kündigen, wenn er innerhalb von zwei Monaten nachweist, dass ein neuer Versicherungsschutz besteht (§ 205 Abs. 6 VVG). Ohne diesen Nachweis bleibt der alte Vertrag bestehen.
Gesetzliche Krankenkasse
Für den Wechsel der gesetzlichen Krankenkasse ist seit 2021 keine eigene Kündigung mehr nötig. Sie treten der neuen Kasse bei, und diese meldet den Wechsel. Voraussetzung ist in der Regel eine Mitgliedschaft von mindestens zwölf Monaten; der Wechsel wird zum Ende des übernächsten Monats wirksam (§ 175 SGB V).
Lebens- und Rentenversicherung
Eine Kündigung ist jederzeit zum Ende der Versicherungsperiode möglich, aber oft teuer: Ausgezahlt wird der Rückkaufswert, der in den ersten Jahren deutlich unter den eingezahlten Beiträgen liegen kann. Fragen Sie vor der Kündigung nach dem aktuellen Rückkaufswert und nach der Möglichkeit, den Vertrag beitragsfrei zu stellen.
Welche Form die Kündigung braucht
Bei Verbraucherverträgen dürfen Versicherungsbedingungen für die Kündigung höchstens die Textform verlangen (§ 309 Nr. 13 BGB). Eine E-Mail genügt also in vielen Fällen. Kann der Vertrag online abgeschlossen werden, muss der Versicherer außerdem einen Kündigungsbutton bereitstellen (§ 312k BGB).
Die Form ist aber selten das Problem — der Nachweis ist es. Bestreitet der Versicherer den Eingang, müssen Sie den Zugang belegen. Ein Brief per Einwurf-Einschreiben oder eine gesicherte Bestätigung des Kündigungsbuttons ist dafür deutlich belastbarer als eine einfache E-Mail.
Welche Einschreiben-Variante sich für fristgebundene Schreiben eignet, erklärt der Beitrag Einwurf-Einschreiben oder Rückschein.
Muster: Kündigung einer Versicherung
Kündigung meiner Hausratversicherung
Versicherungsschein-Nr. HR-123456
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit kündige ich die oben genannte Versicherung fristgerecht zum
Ablauf des Versicherungsjahres am 31.12.2026, hilfsweise zum
nächstmöglichen Zeitpunkt.
Bitte bestätigen Sie mir die Kündigung und das Vertragsende schriftlich
und stellen Sie den Beitragseinzug zum Vertragsende ein.
Mit freundlichen GrüßenSonderkündigung — Versicherungsschein-Nr. HR-123456
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Schreiben vom 05.11.2026, bei mir eingegangen am 07.11.2026,
haben Sie mir eine Erhöhung des Beitrags zum 01.01.2027 mitgeteilt.
Ich mache von meinem Sonderkündigungsrecht nach § 40 VVG Gebrauch und
kündige die Versicherung zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der
Erhöhung, hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
Bitte bestätigen Sie mir das Vertragsende schriftlich.
Mit freundlichen GrüßenVor dem Absenden prüfen
- Versicherungsschein-Nummer exakt übernommen
- Ablaufdatum aus dem Versicherungsschein, nicht geschätzt
- Kündigung kommt von der versicherungsnehmenden Person, nicht nur von einer mitversicherten
- Bei Sonderkündigung: Datum der Mitteilung oder der Regulierung genannt
- Anschluss-Versicherung steht fest, falls der Schutz weiter nötig ist
- Kopie und Versandbeleg gesichert
Häufige Fragen
Wie lange vorher muss ich eine Versicherung kündigen?
So lange, wie es im Vertrag steht — üblich sind drei Monate vor Ablauf des Versicherungsjahres, bei der Kfz-Versicherung ein Monat. Maßgeblich ist der Eingang beim Versicherer.
Kann ich eine Versicherung per E-Mail kündigen?
Bei Verbraucherverträgen meist ja, weil höchstens Textform verlangt werden darf. Für den Nachweis des Zugangs ist ein Brief per Einschreiben oder eine gespeicherte Bestätigung des Kündigungsbuttons aber belastbarer.
Was gilt bei einer Beitragserhöhung?
Erhöht der Versicherer den Beitrag ohne bessere Leistung, können Sie innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung kündigen, frühestens zum Zeitpunkt der Erhöhung.
Muss ich eine Kündigung begründen?
Bei einer ordentlichen Kündigung nicht. Bei einer Sonderkündigung sollten Sie den Anlass — Beitragserhöhung oder Schadensfall mit Datum — nennen, damit der Versicherer die Frist zuordnen kann.
Quellen und Rechtsgrundlagen
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Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Ob eine Frist, eine Formvorschrift oder eine Rechtsfolge in Ihrem konkreten Fall gilt, hängt vom Einzelfall und vom jeweiligen Vertrag ab. Bei Zweifeln wenden Sie sich an eine Rechtsanwältin, einen Rechtsanwalt oder eine Verbraucherzentrale.
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